Dem Tod begegnen

Mit Beginn der Neuzeit wurde der Tod in unserem Kulturkreis weitgehend aus dem Alltagsbewusstsein verdrängt. Über das Sterben sprach man nicht und versteckte es so gut es ging. Eine Folge war z. B., dass viele Menschen unter unwürdigen Bedingungen in Krankenhäusern verstarben.

Vieles hat sich inzwischen geändert: Die Palliativmedizin - als nicht heilende sondern lindernde Medizin - wird aktuell in den Universitäten, Kliniken und Arztpraxen ausgebaut. Gesetzliche Regelungen für eine ambulante palliative Versorgung erlauben es nun, auch in vertrauter Umgebung zu Hause gut versorgt sterben zu können.

Natürlich erschrecken wir zutiefst, wenn der Tod uns nahekommt. Aber es ist leichter geworden, darüber zu sprechen und eigene Wünsche und Vorstellungen zu thematisieren.

Die entscheidende Schubkraft hierfür fußt auf der seit den 1980er Jahren steig wachsenden Hospizbewegung. Sie hat zum Ziel, dass Menschen würdig und selbstbestimmt sterben können. Inzwischen ist sie die zahlenmäßig größte bürgerschaftliche Bewegung in Deutschland.

Heute wird die hospizliche Versorgung vor allem durch drei Einrichtungen gewährleistet: Auf den Palliativstationen der Kliniken werden die Patienten medizinisch eingestellt und anschließend in der Regel für die letzte Zeit wieder entlassen. Nur wenn Sterbende ganz besonderer sonst nicht leistbarer Pflege bedürfen, kommt die Verlegung in ein stationäres Hospiz in Frage. Sonst werden sie nach Hause oder, wenn das nicht geht, in ein Pflegeheim entlassen. Dann ist die ambulante Begleitung zuständig: Unsere hospiz-initiative bildet zusammen mit palliativ geschulten Hausärzten und Pflegediensten das ambulante SAPV-Team (SAPV: Spezialisierte Ambulante Palliative Versorgung).

Die hospiz-initative kiel

Die hospiz-initiative gehört zum Team der spezialisierten ambulanten palliativen Versorgung (SAPV) und ist für die psychosoziale Betreuung und Beratung der Kranken und ihrer Zugehörigen verantwortlich. Unsere Mitarbeiter/innen setzen sich dafür ein, Krankenhausaufenthalte möglichst zu vermeiden. Sie stärken die Zugehörigen, damit sie gemeinsam den Sterbenden auf dem letzten Weg gut begleiten, so wie er sich dies wünscht.

Manche Schwerstkranken sehnen den Tod herbei, weil sie ihr leidvolles Leben einfach nicht mehr verkraften. Der Suizid erscheint ihnen als letzter Ausweg. Wir haben großen Respekt vor einer solchen Entscheidung. Wir sehen für uns aber darin die Aufgabe, mit aller Kraft dafür zu arbeiten, dass gemeinsam mit anderen Diensten eine gute Versorgung und Begleitung gesichert wird. Einen Suizid als letzten Ausweg möchten wir gerne überflüssig machen.

In der hospiz-initiative kiel haben sich über die Jahre mehr als 270 Freiwillige als ehrenamtliche SterbebegleiterInnen qualifizieren lassen. Jedes Jahr begleiten sie etwa 180 Einzelpersonen oder Familien. Sie gehen in Kliniken, Pflegeheime und vor allem nach Hause.